Einfarbig war gestern
„Der größte Fehler, den man bei der Erziehung zu begehen pflegt, ist dieser, das man die Jugend nicht zum eigenen Nachdenken gewöhnt.“, so sprach Gotthold Ephraim Lessing. Das bundesweite Projekt „Vielfalt tut gut. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.“ will diesem Sprichwort durch lokale Aktionspläne in verschiedenen Städten entgegenwirken und vor allem Jugendliche zu eigenem Denken gegen Rechtsextremismus anregen.
Mit dem Jahreswechsel wurde nun der erste Förderzeitraum des Lokalen Aktionsplans Nordhausen (LAP), vom September 2007 bis Dezember 2008, abgeschlossen. Dreizehn Vereine und Einrichtungen hatten sich als Projektträger beteiligt. Gefördert wird der LAP durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von der Stadt Nordhausen.
Kreativ, innovativ, außergewöhnlich und vielseitig sollten die Projekte sein, aber vor allem den Leitgedanken „bunte Vielfalt statt brauner Einfalt“ kommunizieren. Nicht nur Kinder und Jugendliche sollten mehr über das Thema Rechtsextremismus erfahren, auch Erwachsene wurden in die Konzepte mit einbezogen. Die älteste Zielgruppe wurde mit Projekten wie einer Vortragsreihe im Bürgersaal unter dem Motto „Alte Gefahr in neuem Design“ oder der „Bürgerzeitung“ gezielt auf die Risiken und den richtigen Umgang mit der Problemstellung Rechtsextremismus aufmerksam gemacht. Multikulturell ging es bei Projekten wie „Interkulturelles Lernen in Kindertagesstätten“, „Alltagshelden“ oder „Meri Kerihimete“ zu. Hier stand die Begegnung mit fernen Kulturen und Ländern im Vordergrund.
Ausdrucksstarke Videos wurden beim Projekt „Jeder ist anders“ produziert. Der Fokus des Projektes richtete sich auf Kindergartenkinder und ihre Vorstellungen von kultureller Vielfalt sowie auf die Bereicherung des eigenen Lebens durch andere Menschen.
Im vergangenen Projektzeitraum wurden häufig mehrtägige Workshops zur Wissensvermittlung angeboten. Bei den Projekten „Achtung (+) Toleranz- Wege demokratischer Konfliktlösung“ und dem „Theaterworkshop“ konnten Jugendliche anhand von Selbsterfahrungen, wie Theaterspielen oder der bloßen Betrachtung historischer Bilder, ihre Auffassung von Toleranz erfahren. Themenspezifische Unterrichtsstunden wurden von Studenten der Fachhochschule Nordhausen in Projekte wie „Schrittweise“, „Schrittfolge“ und „Jugend gegen Rechtsextremismus“ oder „Chai“ an Nordhäuser Schulen gestaltet. „Chai“ leitet sich vom jüdischen Trinkspruch „L’chajim" ab und bedeutet so viel wie „Auf das Leben“, so der Leiter des Projektes Philip Egbune. Hier war das Ziel eine Langzeitausstellung mit der Präsentation der Geschichte und Kultur des Judentums. Zusammenkünfte wie das Eröffnungsfest zum Projekt „Schrittfolge“ am „Welt- Laden“, dem multikulturellen Treffpunkts Nordhausen, legten den Grundstein für eine enge Zusammenarbeit von Studenten und Schülern.
Mit dem Projekt „Tauschbörse“ und „Familien bilden“ sollten vor allem junge Eltern unterstützt werden. Gespräche und gemeinsame Aktionen dienten dabei als wichtige Grundlage. Die Progromnacht als ein tiefgreifendes Ereignis in der Geschichte Nordhausens wurde beim Projekt „Synagoge“ aufgegriffen. Neben dem Bau eines originalgetreuen Modells der 1938 abgebrannten Nordhäuser Synagoge unternahm die Projektgruppe viele Fahrten, um mehr Einblicke in die damalige Zeit zu bekommen. Als ein großes Projekt mit dreistufigem Charakter durchzog die „RespekTour“ fast das ganze Jahr 2008. Die Arbeit basierte vordergründig auf dem Aspekt der Erarbeitung von Selbstvertrauen, um die Jugendlichen zu eigenem Denken und Handeln gegen Rechtsextremismus zu befähigen. Workshops mit zwei Jugendclubs aus Nordhausen bildeten den Anfang, eine Fotoausstellung mit dem Titel „Zeichen“ als eine Art Resumé wurde im Jugenclubhaus ausgestellt und ein Quiz mit vielen regionalen Jugendclubs beendete die Tour. Als außergewöhnlich gilt „BEAT!“, ein Tanzprojekt, bei dem Nordhäuser Schüler und ausgebildete Tänzer in einem Stück agierten. Die abstrakt gedachte Handlung sollte den Zuschauer zum Nachdenken über Gewalt und Toleranz anregen. Als eine neue stützende Säule des LAP wurde das Projekt „Rasender Reporter“ im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Hier steht die Öffentlichkeitsarbeit des Lokalen Aktionsplans im Mittelpunkt. Informationen über Projekte, Veranstaltungen und Teilnehmer werden gesammelt und in den Printmedien, im Internet oder Hörfunk veröffentlicht. Um den Lokalen Aktionsplan für die Nordhäuser Bürger transparenter zu machen, stellten sich beim Fest Mit- Menschlich im September viele Projekte der Öffentlichkeit vor. Über die Möglichkeiten des LAP berichtete Bürgermeister Matthias Jendricke auf der Bühne. Neben tollen Auftritten verschiedener Künstler äußerten sich auch einige Artisten zum Thema Rechtsextremismus und verdeutlichten, dass sie durch ihr Erscheinen Gesicht zeigen gegen braune Einfalt.
Claudia Ehrhardt
